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Erste Ökumenische Medientage in Berlin


Zum ersten Mal haben vom 24. – 26. Juni die Medienverbände Vereinigung Evangelischer
Buchhändler und Verleger (VEB) und Katholischer Medienverband (KM.) ihre Jahrestagung
zusammengelegt und unter dem Motto „Fürchtet Euch nicht! Christliche Medien haben Zukunft“ die
Ökumenischen Medientage in Berlin ausgerichtet.


 Die Idee war bereits 2013 auf der Frankfurter Buchmesse bei einem Treffen der Vorsitzenden und 
der Geschäftsführer beider Verbände gereift. Man war sich einig, dass die Herausforderungen, vor 
denen Buchhandlungen und Verlage stehen, konfessionsübergreifend dieselben seien und es sich 
daher anbiete, diesen gemeinsam zu begegnen. Erfolgreiche gemeinsam organisierte Projekte wie 
etwa der Gemeinschaftsstand auf der Leipziger Buchmesse wirkten dabei zusätzlich „inspirierend“.

 


„Fürchtet Euch nicht!“ war die inhaltliche Klammer, unter der der Studientag stand. Am Donnerstag-
vormittag boten vier Keynote Speaker Ihre Sicht auf die medialen Herausforderungen der Zukunft.
Dr. Michael Inacker, Journalist (u.a. Rheinischer Merkur, Handelsblatt), PR-Mann, Unternehmer und
Vorsitzender der Internationalen Martin Luther Stiftung malte dabei eine eher düstere Perspektive,
da die Kirchen auf viele langweilig, muffig und wenig inspiriert wirkten. Er wundere sich deshalb, dass
nicht wesentlich mehr Menschen aus den Kirchen austräten. Er sagt voraus, dass die beiden
Großkirchen mittelfristig ihren Sonderstatus in Deutschland verlieren würden. Dennoch beschwor
er die Teilnehmer eindringlich, den Weg der „Ökumene“ fortzusetzen, da die Herausforderungen
an die konfessionellen Medien nur in intensiven gemeinsamen Anstrengungen zu bewältigen seien.
Kritisch beurteilte er aber die Evangelischen Kirchentage. Dort werde vor allem der "Zeitgeist-
Protestant" angesprochen. Es gehe aber darum, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Christen
einzugehen.

 

Dr. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, wies Inackers Kritik umgehend zurück. Er sei stolz darauf,
dass der Kirchentag gesellschaftlich relevante Diskussionen führe. Es gebe in Deutschland dafür kein
vergleichbares Forum. Der Kirchentag sei ihm lieber als „eine verkniffene Innerlichkeit, die mit einer
gewissen Arroganz und Hochmut daherkommt“. Er ermutigte die Teilnehmer, dem digitalen Wandel
nicht nachzulaufen, sondern ihn aktiv mit zu gestalten. Eigene Erfahrungen als Fernsehmacher
bestätigten ihn, dass auch das Kernmedium dabei eine wichtige Rolle spielen kann. Wichtig sei es,
für die digitale Welt eine "Straßenverkehrsordnung" zu definieren. Hier seien EU und Deutschland in
der Pflicht. Erstaunlich seine Analyse: die Medien als vierte Macht im Staat würden an Einfluss
verlieren, dafür sich die Rezipienten als fünfte Macht etablieren.

 

MdB Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, forderte
die Verleger dazu auf, auch theologische kontroverse Themen zu publizieren. Um die Qualität zu
sichern, müssten Verlage stärker zusammenarbeiten.

 

Der Vorsteher des Börsenvereins und Geschäftsführer der Buchhandelskette Ossiander bereicherte
die Diskussion um Zahlen aus dem Handel und prognostizierte dem Buchhandel eine sichere Zukunft,
sofern man sich einerseits auf eine qualitätsvolle Sortimentsauswahl beschränke, andererseits positiv
kundenorientiert arbeite und in den Buchläden ein ansprechendes Ambiente schaffe. Moderiert wurde
der Vormittag von Lina Brockhaus, die durch ihre unkonventionelle, bisweilen freundlich-respektlose
Art nachzuhaken, ihren Teil dazu beitrug, dass die Diskussion spritzig blieb.

 

Am Nachmittag wurde das Thema in zwei Workshop-Runden, moderiert von Georg Frericks
MDG, vertieft. In einem „Fish Bowl“ wurden dabei zuerst allgemeine Zukunftsszenarien für die
Bereiche a) Mensch / Familie / Gesellschaft, b) Arbeit / Freizeit / Konsum, c) Technik /
Wissenschaft / Medien und d) Glaube / Kirche / Werte entwickelt und anschließend für unsere
Arbeit in 9 Themenfeldern konkretisiert:

-          Autoren

-          Personal

-          Handel

-          Workflow

-          Crossmedialität

-          Journalismus

-          Der Kunde

-          Marketing

-          Kooperationen / strategische Allianzen

 

Die sehr intensiven Disskussionen führten zu allerlei Denkansätzen, wie die Mitgliedsunternehmen
auf die medialen Herausforderungen reagieren können und müssen. Einige Themen sollen nach
der Jahrestagung in Projektgruppen weiter behandelt und in konkrete Initiativen umgesetzt werden.

 

Natürlich gab es wieder ein Kultur- und Freizeitprogramm, das den Teilnehmern Raum für Kontakt
und informellen Austausch gab. Bereits am Freitagabend startete die Jahrestagung mit einem
gemeinsamen Abendessen und dem Kabarettisten Uwe Beck, der die Kirche(n) und damit auch
uns zielsicher aufs Korn nahm. Musikalisch begleitet wurde er streckenweise vom Gitarristen
Harald Reinfelder. Am Donnerstag stand eine Spreefahrt auf dem Programm, die uns Berlin
von der Wasserseite aus zeigte.

 

Den Abschluss fand der gemeinsame Teil mit einem ökumenischen Gottesdienst am Freitagmorgen,
den die beiden Verbandsvorsitzenden Detlef Holtgrefe (VEB) und Ulrich Peters (KM.) leiteten.
Damit schloss sich auch der Rahmen, denn schon der Donnerstag hatte während einer Bibelarbeit
mit zwei geistlichen Impulsen von Peter Hahne und Christiane Florin begonnen. Hahne forderte die
Medienmacher auf, sich mutig auf den Kern ihrer Berufung, die Bibel zu konzentrieren. Die
Menschen suchten nach Orientierung und ließen sich von der frohen Botschaft, mutig und
authentisch vertreten, mitreißen. Florin schlug einen weiten Bogen von den weihnachtlichen
Hirten auf dem Feld über Petrus, der übers Wasser gehen soll, bis zu den heutigen Journalisten,
die sich nicht fürchten sollten. Ihr Fazit: „Wer heute was mit Medien macht, fürchtet weder den
Engel noch Jesus. Nicht der Absender macht uns Angst, sondern der Empfänger.“ 

 

Die Mitgliederversammlung des Katholischen Medienverbandes, die im Anschluss an die Jahrestagung
stattfand brachte einige Änderungen für den Verband. Gertrud Widmann, seit 2008 im KM.-Vorstand
und seit Juni 2012 Sprecherin der Buchverleger wird mit 1. August 2015 in Ruhestand gehen und hat
deshalb ihr Vorstandsamt in Berlin niedergelegt. Sprecher der Buchverleger wird ihr bisheriger
Stellvertreter, Bruder Linus Eibicht OSB, Verlagsleiter des Vier Türme-Verlags in Münsterschwarzach.
Neuer Stellvertreter ist Stefan Eß, Direktor des Sankt Michaelsbundes, München. Als Nachrückerin
wurde von der Buchhändlerkonferenz Christiane Völkel vom St. Benno Verlag berufen, wo sie als
Geschäftsführerin für die Bereiche Programm und Marketing zuständig ist.

 

Abgestimmt wurde in der KM.-Mitgliederversammlung über eine Satzungsänderung, die die
Nachfolge im Vorstand bei einem unterjährigen Ausscheiden einer Sprecherin oder eines
Sprechers regelt. So wird künftig beim Ausfall eines Sprechers automatisch der Stellvertreter in
diese Position aufrücken. Da nur der / die Vorsitzende und die vier Sprecher für den Verband
juristisch vertretungsberechtigt sind, soll dadurch die Arbeitsfähigkeit des Vorstandes gesichert
werden. Die Satzungsänderung wurde einstimmig angenommen.


Hier die Begrüßung des KM.-Vorsitzenden, Ulrich Peters lesen (Download)

Hier die Bibelimpulse von Dr. Christiane Florin lesen (Download)

Hier können Sie das Fotoprotokoll des Workshops am Donnerstag Nachmittag ansehen und herunterladen (Download).