Religiöses Buch des Monats November 2020

Walter Kasper, Geroge Augustin (Hg.), Christsein und die Corona-Krise. Das Leben bezeugen in einer sterblichen Welt, Patmos Verlag, Ostfildern 2020, ISBN: 978-3-7867-3244-0, 194 Seiten, 18,00 €

 

Das Corona-Virus hat unser aller Leben in den letzten Monaten geprägt. In kürzester Zeit entwickelte es sich weltweit zu einer dramatischen Herausforderung für Politik und Wirtschaft. Im Unterschied zu Staat und Gesellschaft sind Christsein und die Corona-KriseReligion und Kirche jedoch nicht nur im direkten Umgang mit der Pandemie gefragt, sondern vor allem auch darüber hinaus in der Deutung dieses Ereignisses und seiner Konsequenzen für unser zukünftiges Leben. "Die Pandemie stellt uns grundlegende Fragen, welche das Glück unseres Lebens und den Schatz unseres christlichen Glaubens betreffen", wie Papst Franziskus prägnant in seinem Geleitwort formuliert.

Der frühere Kurienkardinal Walter Kasper hat zusammen mit dem Dogmatikprofessor George Augustin einen Sammelband mit Beiträgen von elf Autoren herausgegeben, die erste Ansätze zu einer solchen Deutung versucht haben. Wenn das Thema "Christsein und die Corona-Krise" von elf Autoren in den Blick genommen wird, dann sind natürlich gewisse Wiederholungen unvermeidlich ? diese stören aber keineswegs, lassen sie doch einerseits bestimmte Schwerpunkte des Themas aufscheinen, zum anderen ergeben sich im je unterschiedlichen Kontext auch immer wieder neue Blickwinkel, sodass sich gleich einem Kaleidoskop, das immer weitergedreht wird, das große Thema immer wieder mit neuen Aspekten zeigt.

Natur und Gnade anerkennen

Kardinal Kurt Koch erinnert in seinem Beitrag beispielsweise an eine Grundüberzeugung des katholischen Glaubens: dass wir Natur UND Gnade gleichermaßen anerkennen müssen. Wir dürfen in der Krise weder auf das Gebet allein vertrauen und das Wissen der Virologen missachten, noch sollen wir die Erlösung ganz von der modernen Medizin erwarten und das Gebet vernachlässigen. So ist für ihn die Aussage, Gott habe keine anderen Hände als die unseren, zwar richtig, denn Gott will und kann durch uns in der Welt handeln, andererseits aber auch "nur die halbe Wahrheit", denn "der Trost des Glaubens besteht doch in der Zuversicht, dass Gott noch ganz andere Hände hat, wenn unsere Hände ? nichts mehr ausrichten können" (S. 37).

Auch George Augustin gibt zu bedenken: "In Krisenzeiten ist es vielleicht besser, dass wir weniger über Gott, als vielmehr mit Gott über die Krise sprechen" (S. 69), denn das "Gebet schenkt uns eine Kraft, die uns befähigt, unsere existentielle Angst zu überwinden und vertrauend auf die väterliche Fürsorge Gottes ein Leben in Hoffnung und Zuversicht zu führen." (S. 71)

Keine Strafe Gottes

Was in diesem Band von keinem Autor vertreten wird, aber in der öffentlichen Diskussion hin und wieder zu hören war, weist der Dogmatiker Jan-Heiner Tück in seinem Beitrag ganz ausdrücklich zurück: Corona darf keinesfalls als Gottes Strafe für uns Menschen angesehen werden; das widerspricht dem Glauben an einen guten und allmächtigen Gott, der als Schöpfer der Welt nur das Gute im Sinn haben kann - was sich bis zur Vollendung der Schöpfung am Jüngsten Tag im Mit-Leiden Jesu mit den Menschen zeigt. Der New Yorker Ordensmann Mark-David Janus schließlich schildert im Bericht seiner eigenen schweren Covid 19-Erkrankung eindringlich, wie er den Weg des Leidens bis hin zur Auferstehungserfahrung der Genesung durchlebt hat.

Insgesamt erläutern die Beiträge sehr gut, was Papst Franziskus feststellt: Die Corona-Krise "erinnert uns daran, dass wir manche im Leben wichtige Dinge vergessen und vernachlässigt haben, und lässt uns fragen, was wirklich wichtig und notwendig ... ist; ... und sie leitet uns an, unser Leben neu in den Dienst an anderen Menschen zu stellen." (S. 6) Ein Band, der wirklich eine Fülle von Anregungen gibt, anlässlich der Corona-Krise über den eigenen Glauben und das Leben aus dem Glauben heraus neu nachzudenken.

 

(Sankt Michaelsbund)

 

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

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