Religiöses Buch des Monats Juni 2024

Steve Heitzer, Hellwach am Leben. Auf dem Weg zu einer tragfähigen Spiritualität, Tyrolia, Innsbruck 2024, ISBN/EAN: 9783702241827, 272 Seiten, 24,00 Euro

 

Spiritualität der kleinen Dinge

“Lasst die Kinder zu mir kommen“, fordert Jesus die Jünger im Markusevangelium auf. Da wollen seine Jünger Erwachsene daran hindern, Kinder zu ihm zu bringen (Markus 10, 13-16). Bereits im Kapitel vorher stellt Jesus ein Kind in die Mitte. Da streiten sich die Jünger, wer der Größte, der Wichtigste von ihnen sei. Und was tut Jesus? Er nimmt ein Kind in die Arme und sagt: Wer in meinem Namen ein Kind aufnimmt, nimmt mich auf – und den, der mich gesandt hat (Markus 9, 33-37). Diese beiden Stellen sind für Steve Heitzer ganz entscheidend, wenn es um Spiritualität geht. Jesus macht hier deutlich, dass der Weg zu ihm nicht über Macht und Konkurrenz führt, sondern durch den Alltag, durch die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge und Menschen. Kinder haben noch nichts vorzuweisen, sie können noch nicht mit Leistung prunken. „Kinder können sich ganz einlassen auf ihr Da-Sein und ihr spielerisches Tun.“ Sie leben (meistens jedenfalls) im Moment, können die Zeit vergessen – oder besser: die vergehende Zeit spielt noch keine große Rolle für sie. „Darin sind sie für uns wie Pförtner in das Reich Gottes.“

Spiritualität der Achtsamkeit

Diese Einsicht hat Heitzer dazu gebracht, mit Kindern zu arbeiten – und daraus seine Spiritualität zu entwickeln. Achtsamkeit bedeutet für ihn, das Leben im Moment zu erleben, zu genießen, auch zu erleiden. „Das Leben ist immer da“, schreibt er, „nur wir sind oft nicht da.“ Auch Gott ist immer da – wird nur oft übersehen, weil viele in Gedanken woanders sind, von ihrem „Autopiloten“ (Heitzer) im „Erledigungsmodus“ durch den Tag gesteuert werden, ohne anzuhalten, zu staunen und die kleinen Zeichen wahrzunehmen, die auf das große Ganze verweisen. Diese Einsicht hat Heitzer dazu gebracht, mit Kindern zu arbeiten – und daraus seine Spiritualität zu entwickeln. Achtsamkeit bedeutet für ihn, das Leben im Moment zu erleben, zu genießen, auch zu erleiden. „Das Leben ist immer da“, schreibt er, „nur wir sind oft nicht da.“ Auch Gott ist immer da – wird nur oft übersehen, weil viele in Gedanken woanders sind, von ihrem „Autopiloten“ (Heitzer) im „Erledigungsmodus“ durch den Tag gesteuert werden, ohne anzuhalten, zu staunen und die kleinen Zeichen wahrzunehmen, die auf das große Ganze verweisen. Heitzer redet keiner Wohlfühlspiritualität das Wort. Der Alltag mit seinen Zumutungen, das Leid, auch die Verantwortung, die der*die Einzelne für die Gesellschaft haben, gehören dazu. Spiritualität bedeutet für ihn, den Alltag, das eigene Umfeld in einer bestimmten Weise wahrzunehmen und zu gestalten, ohne sich davon völlig gefangen nehmen zu lassen.

Spiritualität der Vielfalt

Damit ist über Heitzers Buch schon fast alles gesagt, denn alle anderen Kapitel wollen den Lesenden zeigen, wie sie hellwach im Hier und Jetzt sein oder zumindest immer wieder dorthin zurückkehren können. Dazu greift er auf verschiedene spirituelle Traditionen zurück, auf christliche Mystik genauso wie auf den Buddhismus (vertreten z.B. durch Thich Nhat Hanh) oder die Gedanken von Jon Kabat-Zinn. Außerdem beschreibt er verschiedene Übungen, die auf diesem Weg hilfreich sein können. Es geht darum, der Frage nach dem „Was“ mehr Raum zu geben als dem „Warum“. Das „Was“, so Heitzer, öffnet das Herz und die Sinne. „Was lässt uns spüren, schauen, lauschen. Immer wieder ankommen, uns ganz einlassen, neu einlassen auf dieses Leben, das uns schlicht immer wieder vor Aufgaben stellt und in den grundlegendsten Fragen ein Geheimnis bleibt.“ Heitzers Buch öffnet die Augen für das Geheimnis des Lebens und unterstützt die Lesenden dabei, auch im Alltag mit dem großen Ganzen, das die Christen Gott nennen, in Verbindung zu bleiben. 

 

 

 

(Borromäusverein)

 

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

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