Religiöses Buch des Monats März 2019

Christoph Kardinal Schönborn, Zeit der liebenden Aufmerksamkeit. Ein Begleiter für die Fasten- und Osterzeit

Patmos Verlag, Ostfildern 2019, ISBN: 9783843611206, 224 Seiten, 19,00 €

 

Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern hat in den letzten Jahren wieder ein positiveres Image gewonnen. Dass ein gewisser Verzicht nicht nur der Gesundheit und der Selbstdisziplinierung förderlich ist, sondern obendrein auch der Umwelt guttut, leuchtet eigentlich jedem ein. Auch ohne religiöse Motivation unterziehen sich darum viele im Frühjahr einer Fastenkur.

Allerdings geht es bei der Fastenzeit, die von der Kirche „österliche Bußzeit“ genannt wird, eigentlich um viel mehr als bloß um einen – wie auch immer motivierten – zeitweisen Verzicht auf bestimmte Genüsse. Der Titel, den der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, seinem neuen „Begleiter für die Fasten- und Osterzeit“ gegeben hat, bringt das in einer sehr schönen Formulierung zum Ausdruck: Die Fastenzeit soll vor allem zu einer „Zeit der liebenden Aufmerksamkeit“ werden.

Bekannt Texte - neue Erkenntnisse

Und tatsächlich werden selbst mit der Bibellektüre vertraute Leser/innen in diesem Buch sicherlich auch neue Sichtweisen auf die bekannten Texte entdecken. Zum Beispiel, wenn Kardinal Schönborn im Blick auf die Versuchungen Jesu durch den Teufel in der Wüste feststellt, dass die größte Versuchung für uns selbst im Grunde darin besteht, „zu glauben, dass Gott uns fallen lässt, wenn wir gefallen sind“. Sehr nachdenklich machen kann auch der Hinweis, dass Jesus bei seiner Verklärung auf dem hohen Berg genau die drei Jünger mit sich nimmt, die er später am Ölberg in seiner bittersten Stunde im Garten von Gethsemane um sich haben will, als er in seiner Todesangst gewissermaßen ganz tief unten angekommen ist. Ganz wichtig ist auch die Klarstellung, dass das Kreuz ein Symbol ist, das gerade niemanden ausgrenzen will, im Gegenteil: „Für mich ist das Kreuz das große Zeichen, dass Jesus keinen Menschen ausschließt, dass er für alle offene Arme hat.“ So sagt es Jesus ja auch in seiner Abschiedsrede: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich ALLE an mich ziehen“. Und im Blick auf Ostern fragt Kardinal Schönborn mit Recht, ob nicht heute bei vielen Katholiken eine ähnliche Stimmung herrscht wie bei den Jüngern nach Jesu Tod: Die Kirche scheint vielen gescheitert zu sein, am Ende. Glauben wir an Ostern, dass Jesus wirklich lebt? Dass er auch in seiner Kirche lebt und diese deshalb neu auferstehen kann?

Kardinal Schönborn reflektiert persönlich und lebensnah

Das Buch bietet Betrachtungen zu den Sonntags-Evangelien des österlichen Weges, von der Fastenzeit bis Pfingsten – und zwar für alle drei Lesejahre, so dass der Fastenbegleiter zum einen jedes Jahr aktuell ist und andererseits auch eine größere Vertiefung erlaubt. Kardinal Schönborns Auslegungen des Evangeliums sind keine theologischen Reflexionen, vielmehr lebensnahe Betrachtungen. Auch sind es ursprünglich keine Predigten, sondern Beiträge für Österreichs größte Tageszeitung, sie richten sich also nicht ausschließlich an Kirchgänger/innen, sondern im Grunde an alle. Und es sollen auch nicht Unterweisungen im Glaubenswissen sein, sondern Ermutigungen, die Worte des Evangeliums persönlich zu betrachten. Wer dieser Einladung folgt, wird in jedem Fall Gewinn daraus ziehen.

 

(Sankt Michaelsbund)

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

zurück