Religiöses Buch des Monats November 2020

Hubert Ettl, Abenteuer des Glaubens. Erkundungen in unwegsamem Gelände, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2020, ISBN: 978-3-7917-3190-2, 168 Seiten, 16,95 €

 

Glauben ist ein Wagnis. Wer sich darauf einlässt, verlässt den mess- und berechenbaren Sektor. Das führt immer häufiger dazu, dass die Gottesfrage in unserer Gesellschaft nicht mehr ernstgenommen wird. Umso wichtiger ist es für Abenteuer des Glaubensdie Christen, Rechenschaft davon abzulegen, wie der Glaube sich vor der Vernunft verantworten lässt. - Hubert Ettl unternimmt dazu 24 "Erkundungen", wie er die Kapitel seines Buches nennt. Darin schreibt er über das Staunen, das dabei helfen kann, dem Käfig unserer modernen, berechnenden Weltsicht zu entkommen. Über das Stillwerden, um in der lauten Welt "den unergründbaren, vollkommen Einen zu erfahren" (Dorothee Sölle). Über das Nachdenken über Gott und die Auseinandersetzung mit der Theologie und anderen Wissenschaften. Auf diese Weise werden auch Evolution und physikalische Weltmodelle zu Themen, die er mit dem christlichen Glauben in Beziehung setzt. - Auch theologisch wagt Ettl sich ans Eingemachte.

Die große Liebeserklärung Gottes an die Welt

Jesus habe Gott als einen liebenden, barmherzigen Gott vorgestellt. Warum, fragt Ettl, finden sich dann immer noch in theologischen und liturgischen Texten Spuren des despotischen, strafenden Gottes? Gerade in der Interpretation des Kreuzestodes und der Eucharistie schlägt sich das nieder. Ettl erhebt Einspruch: "Wenn dieser liebende Gott der Kern von Jesu Botschaft ist, wenn er damit das alte, doppelgesichtige Gottesbild hinter sich lässt, wenn er also das Gesicht Gottes neu zeigt, sollte dann also nicht genau dies die Orientierung für ein neues Verständnis von Jesu Tod am Kreuz sein?" - Doch weil Gottes bedingungslose Liebe die Herzmitte der christlichen Botschaft bildet, müsse das Christentum "endlich als die Religion der großen Liebeserklärung Gottes an die Welt herausgestellt werden", fordert er. - In weiteren Kapiteln setzt er sich mit dem Gebet, besonders dem Sinn des Bittgebets auseinander, mit dem Tod und dem Leben danach, mit der "Pflicht" der Christen zur Hoffnung, mit der Aufgabe des Christentums, zu einer ökologischen Spiritualität beizutragen und gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu kämpfen ? und einiges mehr. - Von der Kirche und ihren offiziellen Repräsentanten wünscht er sich, dass sie zu einem Ort "einer heutigen, offenen, suchenden, bescheidenen Rede von Gott" wird, an dem die persönlichen Erfahrungen der Einzelnen Gehör finden.

Eine herausfordernde Lektüre

In beeindruckender Weite und Tiefe setzt Hubert Ettl sich mit Glaubensfragen auseinander. Obwohl Sprache und Struktur seines Buches allgemeinverständlich sind und kein Expertenwissen voraussetzen, ist die Lektüre herausfordernd. Sie regt dazu an, eigene Positionen zu hinterfragen, Selbstverständlichkeiten zu überprüfen und überhaupt über Gott und die Welt und die eigene Sicht darauf nachzudenken. Was könnte es besseres als Vorbereitung auf das kommende Weihnachtsfest geben?

 

(Borromäusverein)

 

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

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