Religiöses Buch des Monats Februar 2020

Wilhelm Bruners, Gottes hauchdünnes Schweigen. Auf seine Stimme hören, Echter Verlag, Würzburg 2019, ISBN: 9783429053802, 100 Seiten, 8,90 €

 

 

Angesichts der anhaltenden Kirchen- und Glaubenskrise in Deutschland und weiten Teilen Westeuropas wird oft gefragt, wie denn heute von Gott die Rede sein müsse, damit die Menschen wieder Zugang zu ihm finden? Für Wilhelm Bruners, Priester in Mönchengladbach und geistlicher Schriftsteller, unterschätzt diese Herangehensweise Gott – und überschätzt die Rolle und die Möglichkeiten des Menschen. Als ob Gott nur da wäre, wo „wir“ – die Christen – ihn hinbringen! Müsste man nicht umgekehrt fragen, wie Gott heute mit uns redet? „Wo und wie spricht Gott den heutigen Menschen an? ... Und wie artikuliert sich das Göttliche in und durch die heutige, aber immer schon plurale Welt?“

 

Gott ist da - in leisen Tönen

 

Mit Blick auf Elijas Erlebnis am Horeb, dem Gott nicht in Sturm, Erdbeben oder Feuer begegnet, sondern in leisem Säuseln – Martin Buber übersetzt „verschwebendes Schweigen“ -, erinnert Bruners daran, dass Gott ein Gott der leisen Töne ist, der sich ganz der menschlichen Sprache ausgeliefert hat bis in ihre Widersprüchlichkeit hinein und dabei offensichtlich in Kauf nimmt, überhört zu werden. Bruners ist überzeugt, dass Gott immer schon und überall „da“ ist – dass es also nicht nötig ist, ihn erst zu den Menschen zu bringen, sondern dass die Christen neu lernen müssen, ihn im Alltag und in der Sprache der Menschen zu entdecken.

Gott neu in der Welt wahrnehmen

„Dabei muss sich die ganze kirchliche Gemeinschaft fragen, in welcher Weise sich Gott heute dem Menschen sprachlich und in anderen Zeichen offenbart. Denn nur so kann ihr Sprechen einen Zugang zu den Herzen der Menschen finden. Gott ist jeder kirchlichen Sprache voraus.“ Dazu gehört dann allerdings auch die Bereitschaft, die Welt und das Alltägliche nicht als Gott-los abzuqualifizieren. „Die Bereitschaft ist nötig, die Sprachgeräusche der Welt nicht als Störung und Lärm zu hören.“ Stattdessen gelte es, Gottes Ansprache, sein Atemholen aus den Geräuschen der Welt „herauszufiltern“.

Hinhören auf die Realität der Menschen als Schlüssel

Dazu gehört zu allererst die Bereitschaft, zu hören. Auf das Wort Gottes und auf die alltäglichen Worte der Menschen – auf ihre Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen. Gott ist vornehmlich da zu finden, wo Kreuze aufgestellt sind, so Bruners. „Sie sind Hilferufe Gottes in unserer Zeit, die SOS-Botschaft in den Chaosfluten der heutigen Geschichte. Sie sind die ‚Lieblingsverstecke‘ Gottes, in die der Jude Jesus mitzukommen uns einlädt.“Mit einer wohltuend positiven (gleichwohl nicht unkritischen) Sicht auf die Welt und dem Vertrauen, dass Gott in allen Winkeln dieser Welt anzutreffen ist, legt Wilhelm Bruners Spuren aus, um Gottes hauchdünnes Schweigen wahrnehmen zu können – mit allen Sinnen.(Borromäusverein)

 

 

(Borromäusverein)

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

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