Religiöses Buch des Monats Januar 2020

Friedrich Kardinal Wetter, Hört und versteht! Meditationen über den Glauben, EOS Verlag, St. Ottilien 2019, ISBN: 9783830679745, 208 Seiten, 14,95 €

 

 

Nicht selten geht es uns wie dem Kämmerer der äthiopischen Königin Kandake, von dem in der Apostelgeschichte erzählt wird: Wir lesen oder hören durchaus mit Interesse die biblischen Texte, verstehen aber nicht immer alles, was dort gesagt ist. Friedrich Kardinal Wetter, der frühere Münchner Erzbischof, ist überzeugt, dass wir den christlichen Glauben besser verstehen können, wenn wir uns immer wieder damit beschäftigen, was die Feste des Kirchenjahres eigentlich bedeuten. Sein neues Buch „Hört und versteht!“ vereint darum seine Predigten aus den letzten sieben Jahren zu den kirchlichen Hochfesten Weihnachten, Ostern, Pfingsten und weiteren Festtagen (Dreifaltigkeitssonntag, Mariä Himmelfahrt, Peter und Paul). Zum Ende seines jahrzehntelangen priesterlichen und bischöflichen Wirkens hin entstanden, sind es gleichsam zur Quintessenz verdichtete Betrachtungen, die eine ungeheuer intensive Beschäftigung mit den Glaubensgeheimnissen durchscheinen lassen.

Überraschende Aspekte bekannter Bibelstellen

 

Durch ein sehr genaues Hinschauen auf die Texte der Heiligen Schrift ergeben sich immer wieder überraschende Einsichten und neue Akzentuierungen, z.B. wenn Kardinal Wetter darauf hinweist, dass Jesus die Emmaus-Jünger, nachdem sie ihn am Brotbrechen erkannt haben, keineswegs wieder verlässt – sie sehen ihn zwar nicht mehr, er war aber schließlich mit ihnen hineingegangen, gerade „um bei ihnen zu bleiben“, und er bleibt tatsächlich bei ihnen: im gebrochenen Brot. Oder wenn Kardinal Wetter erläutert, weshalb im Markus-Evangelium gesagt wird, dass in Jesu Todesstunde der Vorhang im Tempel zerreißt. Denn darin wird offenbar, dass durch Jesu Hingabe für uns der Blick auf Gott frei geworden ist, sich Gott als sich verströmende Liebe erwiesen hat. Erstaunlich auch, aber dann sehr schlüssig, dass Wetter im Gleichnis vom verlorenen Sohn auch ein Bild für den Gottessohn erkennt, der zwar nicht selbst gesündigt, aber alle Sünden der Welt auf sich genommen hat und mit dieser Sündenlast zum Vater heimkehrt, der ihn voll Freude aufnimmt in sein göttliches Leben.

Lebensrückblick aus dem Geist des Evangeliums

Besonders eindrucksvoll ist schließlich auch die Predigt zum 50-jährigen Bischofsjubiläum. Wie wohl jeder Mensch am Abend seines Lebens fragt sich Kardinal Wetter, was er wohl durch seine Bemühungen erreichen konnte. Dass er diese Frage nicht beantworten kann, führt ihn umso weiter hin zum völligen Vertrauen auf Christus, ohne den auch Petrus nicht fähig war, die Netze zu füllen. Das Evangelium zeigt ja, dass die Netze derer, die sie auf Jesu Wort hin auswerfen, selbst dann überreich gefüllt sein können, wenn nach menschlichen Maßstäben ihre Arbeit aussichtlos erscheint. So dürfen auch wir die Beurteilung unserer Lebensleistung ebenso wie die Zukunft der Kirche bei all unseren Sorgen und Bemühungen am Ende doch vertrauensvoll in die Hände Christi legen.

Freude am Glauben als roter Faden

Es ist wirklich beeindruckend, wie unprätentiös und bescheiden sich der Autor bzw. Prediger in diesen biblischen Betrachtungen selbst ganz zurücknimmt, um in möglichst klaren Wörtern und einfachen Sätzen umso mehr die Botschaft in ihrer großen Tiefe wirken zu lassen. So können diese Meditationen wirklich das erreichen, was im Vorwort als ihr Zweck angeführt ist, sie können „Freude am Glauben wecken und uns bewusst werden lassen, aus welcher Quelle wir leben, wie reich uns Gott beschenkt und wohin der Pilgerweg unseres Lebens führt.“ Man wird dieses sehr schön und hochwertig gestaltete, dabei aber erstaunlich preisgünstige Buch im Jahreslauf immer wieder gerne zur Hand nehmen und großen Gewinn für das eigene Glaubensleben daraus ziehen.

 

 

(Sankt Michaelsbund)

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

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