Religiöses Buch des Monats Januar 2023

Henri Caffarel, Präsent sein für Gott. Hundert Briefe über das Gebet, Herder, Freiburg 2022, ISBN 9783451390999, 288 Seiten, 28,00 Euro.

 

Gebet als Grundhaltung der Sendung Seit dem Konzil haben die katholischen Laien erfreulicherweise zunehmend das Bewusstsein gewonnen, dass sie ebenso wie die Kleriker dazu berufen sind, als Zeugen Christi in der Welt zu wirken. Voraussetzung für ein solches Wirken in der Welt ist natürlich eine wirkliche Vertrautheit mit Christus, denn was wären das für Zeugen, „die nicht Jenen aufgesucht hätten, für den sie Zeugnis ablegen sollen, … die nicht auf Jenen hörten, dessen Botschaft sie übermitteln sollen“?

Christinnen und Christen, die für die Welt da sein wollen, müssen darum ihrerseits unablässig für Gott da sein, und „für Gott präsent wird man im Wesentlichen durch das Gebet“. Deshalb gibt es in diesen Zeiten, in denen die Christen sich ihrer apostolischen Berufung und ihrer weltlichen Aufgaben deutlicher bewusst werden, nichts, was wichtiger wäre, als sie in das Gebet einzuführen und ihnen beten zu helfen."

Helfen zu beten

Der französische Priester Henri Caffarel (1903-1996), der sich sehr intensiv in der Seelsorge für Ehepaare engagierte, hat sich darum immer ganz besonders für die Gebetsschulung eingesetzt. Sein Buch mit 100 Briefen über das Gebet liegt nun zum ersten Mal vollständig in deutscher Übersetzung vor, bislang gab es nur eine um die Hälfte gekürzte deutsche Ausgabe. Einladung zum Vertrauensverhältnis Es handelt sich dabei nicht um eine systematische Gebetsschule, vielmehr geht der Autor in den hundert Briefen jeweils ganz konkret auf die Situation der Adressaten oder auch deren Fragen ein. So wird das Thema im Grunde immer ganz, aber aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet, und nach und nach ergibt sich ein immer deutlicheres, plastischeres Bild. Man kann diese Briefe darum sehr gut auch einzeln lesen, ja, der Autor wünscht sich sogar ganz ausdrücklich, dass man nicht mehr als einen Brief pro Tag lese, um genügend Zeit dafür zu haben. Die Briefe wollen nicht Wissen oder Erkenntnis vermitteln, sondern einladen, „in das Vertrauensverhältnis mit Gott einzutreten“.

In ein Vertrauensverhältnis mit Gott eintreten

Man kann aufgrund dieser Eigenart des Buches also nur einige Grundgedanken schildern, die immer wiederkehren und von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden. Zunächst ist dem Autor ganz wichtig, darauf hinzuweisen, dass die erste Initiative beim Gebet immer bei Gott liegt: Wer zu beten beginnt, wird bereits erwartet. Wie beim Gleichnis vom verlorenen Sohn, kommt uns der Vater, wenn wir uns nur auf den Weg zu ihm machen, bereits voller Freude entgegen. Warum machen wir dann aber oft die Erfahrung im Gebet, dass Gott nicht da zu sein scheint? „Gott ist da, aber wir sind nicht da. Unser Dasein vollzieht sich an den Rändern unseres Selbst...“ Nicht nur für Heilige Menschen, die mit ihrem Gebetsleben unzufrieden sind, rät der Autor, sie sollten bedenken, dass es im Gebet ja nicht auf ihr Zutun alleine ankommt, so dass auch ein als unzureichend empfundenes Gebet durchaus eine Wirkung entfalten kann – so wie auch die Sonne ihre Kraft auf uns ausübt, wenn wir ein Sonnenbad nehmen, ohne dass wir etwas dazutun müssten als nur: uns der Sonne auszusetzen. Das Gebet ist darum nicht nur etwas für Heilige, sondern steht auch dem Sünder immer offen, sogar dem Sünder, der weiß, dass er nicht den Willen Gottes tut, und nicht die Kraft hat, das zu tun, was Gott von ihm erwartet – er kann und soll dann wenigstens Gott „bitten, dass sein Reich komme, und für die Anderen beten“.

Faszinierendes Lesebuch

Der Autor war zweifellos ein sehr kluger geistlicher Ratgeber, er belehrt nicht von oben herab, gibt lieber aus Erfahrung erwachsene Ratschläge, verdeutlicht an Beispielen, Erlebnissen, Geschichten oder Vergleichen, stellt Fragen, um das eigene Nachdenken anzuregen. So ist ein faszinierendes Lesebuch entstanden, das einen reichen Schatz beinhaltet, den man nicht oft genug betrachten kann und aus dem man immer wieder Neues zu Tage fördern wird.

 

(Sankt Michaelsbund)

 

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

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