Religiöses Buch des Monats April 2020

Huub Osterhuis, Du, nur du, immer du. Gebete, Patmos, Ostfildern 2020, ISBN: 9783843612036, 95 Seiten, 10,00 €

 

 

Heutige Schwierigkeiten mit dem Gebet

Beten ist nicht gerade angesagt, oder? Es fällt oft schwer, weil es ins (scheinbar) Leere geht, ins Schweigen Gottes. Um Gottes Antwort zu erahnen, ist viel Aufmerksamkeit nötig. Aufmerksamkeit, die oft von der Rast- und Ruhelosigkeit des Alltags übersteuert wird. Deshalb drängt sich mit der Zeit die Frage auf, mit wem ich da rede? Mit Gott? Oder doch nur mit meinem Über-Ich? Dann und wann fehlen auch die Worte und Überdruss am eigenen Beten macht sich breit. Huub Oosterhuis‘ Gebete in dieser kleinen Sammlung spiegeln diese Erfahrungen – und nehmen sie auf. „Du schweigst so tief in allen Sprachen / dass es sich anfühlt, als ob es dich nicht gibt. / Doch beten wir / ... Wende dich hin zu uns. / Wende uns einander zu.“

Dimensionen von Osterhuis Gebeten

 

Andere fassen die Verzweiflung über den Zustand unserer Welt in Worte: „Bist du Gott und nicht imstande, / Mord und Totschlag zu verhindern? / Warum gibst du uns die Freiheit, / anderen Leid zu bereiten?“ Und sie finden zärtliche Worte für das eigene Unvermögen, ihm einfach zu vertrauen: Der mich umwirbt, / den ich mir ferne hielt, / so lange es ging. / Der mich nicht zerrte, / nicht drängte, nur winkte / über deine Schwelle. / Der den Schleier meiner Angst / nicht fortriss, nur anhob. / Dessen Stimme allein / mich so berührte, / dass ich nachgab. / War von Gerüchten über dich gelähmt. / Jetzt ohne Ängste, / endlich erwarte ich dich.“

Poetische und direkte Sprache

Oosterhuis‘ Gebete zeichnet aus, dass sie in einer poetischen Sprache geschrieben sind, die ohne religiöse Formeln auskommt. Eine ganze Reihe sind frei nach Psalmen formuliert, andere beziehen sich auf Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Ergänzt werden diese Gebete durch eine kurze Abhandlung über das Beten heute. Wie lässt sich der alles Begreifen übersteigende Gott, von dem die Bibel zugleich erzählt, dass er ein Freund des Menschen ist, wie lässt sich dieser Gott heute ansprechen? Auch dieser Text geht auf die Erfahrung ein, dass Gebete oft verhallen. Beten heißt, so zitiert Oosterhuis die niederländische Dichterin Henriette Roland Holst (1869 – 1952), „langer Tragzeiten harren“. Also Geduld zu haben.

Inspiration zum Gebet am Nerv der Zeit

Der Niederländer Huub Oosterhuis ist in Deutschland vor allem für seine Kirchenlieder bekannt („Wer leben will wie Gott auf dieser Erde“ oder „Ich steh‘ vor dir mit leeren Händen, Herr“). Die Gebete, die in diesem schmalen Band gesammelt sind, treffen den Nerv der Zeit, weil sie Mut machen, mit dem „unbegreiflichen, schweigenden Gott zu leben“ und ihn immer wieder anzureden (Karl Rahner). Eine Inspiration für alle, die nach einer Auffrischung für ihr persönliches Gebetsleben suchen. (Borromäusverein).

(Borromäusverein)

 

 

(Sankt Michaelsbund)

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

Verlage und Buchhandlungen können einen Newsletter sowie Werbematerialien kostenlos bestellen und als verkaufsfördernde Maßnahme in der Buchhandlung oder auf ihrer Homepage einsetzen.

Informieren Sie sich beim Borromäusverein oder beim Sankt Michaelsbund!

 

 

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