Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2023

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Katholischen Medienverband, mit dem hier wiedergegebenen Bild lade ich Sie zu mir nach Hause, in unser Wohnzimmer, ein. Ich habe eine besondere Beziehung dazu. Dieses Bild begleitet mich schon seit Jahrzehnten durchs Leben - und stammt von der Hand meines Großvaters, der ein passionierter Maler war. Ich habe ihn leider nicht persönlich kennenlernen dürfen. Er starb erst 60jährig, als ich gerade einmal vier Monate alt war. Aber in seinen Bildern ist er sehr lebendig geblieben in meiner Familie und mir.

Dieses Bild entstand nach der Rückkehr meines Großvaters aus russischer Kriegsgefangenschaft – unmittelbar aus der Zeit, in der sich ein ganzes Land vor den Trümmern der eigenen Existenz wiederfand. Es zeigt seine Heimatkirche in Heinsberg am Niederrhein. Die wahllose Brutalität der Bombennächte, ihre Wucht und Verwüstung hat vor gar nichts halt gemacht - auch nicht vor dem Kirchengebäude, von dem nicht mehr als eine Ruine zurückgeblieben ist. An einen schnellen Wiederaufbau und eine Heilung der Wunden, die dieser Krieg geschlagen hatte, war offenbar nicht zu denken. Das Gras hatte bereits begonnen die traurigen Reste des einst stolzen Gebäudes zu überwuchern.

Aber damit wächst für meinen Großvater nicht einfach Gras über die Sache. Sicher gehe ich nicht zu weit, wenn ich annehme, dass er hier mehr darstellen wollte als „nur“ den in Schutt und Asche gelegten Kirchenraum. Die Ruine ist (jedenfalls in meiner Anschauung) auch ein Sinnbild – für die Hoffnung in den Herzen der Menschen, die ebenso von der zerstörerischen Gewalt des sinnlosen Krieges getroffen, zerfetzt und zerschlagen wurde (und wird) wie der sakrale Raum.

Leider hat das Bild eine beklemmende Aktualität. Das Unvorstellbare ist geschehen. In Europa tobt wieder ein brutaler Krieg, dessen Folgen wir alle mehr oder weniger deutlich zu spüren bekommen, wenn wir dessen existentielle Härten auch nicht so elementar erleiden müssen wie die Menschen in der Ukraine. Aber was wir mit Ihnen teilen, ist eine neue und ungewohnte Art von Angst und eine tiefe Verunsicherung, die in unseren Seelen erwacht ist. In wenigen Wochen nur ist so viel von dem, worauf wir uns verlassen haben, kaputt gegangen, wie vielleicht noch nie in unserem Leben. Und was noch auf uns zukommt, ist höchst ungewiss.

Das gilt übrigens auch für den beklagenswerten Zustand und das traurige Bild, das die Kirche derzeit abgibt. Beides - der Krieg und die Krise der Kirche - erschüttern nicht nur unser persönliches Leben, sondern auch unsere Arbeit als christliche Medienschaffende. Was mich betrifft, bin ich sehr dankbar, angesichts dessen nicht allein, sondern mit Ihnen, meinen Kolleginnen und Kollegen im KM. verbunden zu sein. Zusammen haben wir im nun zu Ende gehenden Jahr wieder ein Stück verbandlicher Normalität leben können und dabei auch die Kraft gespürt, die nur dann entsteht, wenn man zusammensteht und die Größe seiner Aufgaben nicht alleine meistern muss.

Diese Energie verbirgt sich auch im Bild meines Großvaters. Für ihn war es offenbar die Kraft der Weihnacht, die stärker ist als alle Zerstörung. Wenn man genau hinsieht, erkennt man mitten in der ruinierten Kirche die Andeutung einer Krippe – wie ein Zeichen dafür, dass sich in jedem Abbruch auch ein neuer Anfang liegen kann und Mensch zu werden - den Mut zu haben, wirklich Mensch zu werden, vielleicht die angemessenste Antwort auf unsere Aufgabe ist, Gott zur Welt zu bringen – privat wie professionell. Alles andere, davon bin ich überzeugt, folgt dem. Die Kirche in Heinsberg wurde auch wieder aufgebaut.

Darauf vertrauen und bauen zu können, dazu lädt Sie mein Großvater ein und ich schließe mich ihm im Namen des ganzen Vorstands, aber auch persönlich, gerne an. Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Weihnacht und ein gutes neues Jahr,

Ihr
Ulrich Peters
KM. katholischermedienverband e.V.
Vorsitzender

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