Suche

Religiöses Buch des Monats März 2017

 

 

Markus Hofer, Glauben und das Leben genießen. Lebenskunst aus der Bibel
 

Innsbruck, Tyrolia 2017 – 111 Seiten, 14,95 Euro.

 

 

Montagmorgen. Aufstehen, Frühstück machen, die Kinder pünktlich zur Schule schicken und dann selbst ins Büro fahren. Gewöhnlicher, manchmal schon morgens ermüdender Alltag. Kaum jemand käme auf die Idee, in diesen Momenten nach Gott zu fragen oder ihn zu vermissen. Markus Hofer zeigt in seinem Buch, dass Gott die Menschen auch in diesem Alltag mit seinem Segen begleitet. Mit der Geschichte von der Verheißung Gottes an Abraham (Genesis 18) macht er deutlich, dass Gott die Menschen mitten im Alltag aufsucht.

Gott kam um die Mittagszeit zu Abraham, also zur Zeit der größten Hitze, wenn den Menschen nichts anderes übrig bleibt, als zu warten, bis es wieder kühler ist. Für Hofer heißt das, dass  „Gottes Segen ... in Verbindung mit den primären Bedürfnissen von uns Menschen [steht], mit Essen und Trinken, mit Gesundheit, mit Geborgenheit und mit Lebenslust.“ 

 

HoferDiese Verbindung Gottes zum Alltag der Menschen spielt der Autor für verschiedene Lebenslagen durch. An erster Stelle steht der Genuss, z.B. eines gemeinsamen Essens – nicht umsonst vergleiche Jesus den Himmel mit einem Gastmahl. Es geht nicht um Genuss als Konsum, sondern als Geschenk, als Feier des Lebens. Aus Sicht der Bibel sei die Freude am Leben Ausdruck des Segens Gottes, wie er im Alltag spürbar wird. Dazu gehören auch Sexualität und Erotik wie auch der Humor und das Lachen.

 

Auch auf der dunklen Seite des Lebens ist Gott den Menschen nahe. Die Bibel ist weit davon entfernt, Leid zu verklären. Im Gegenteil, die Menschen dürfen sich in ihrem Leid regelrecht an Gott abarbeiten wie insbesondere in den Psalmen zu lesen ist. Auch der Verzweiflungsschrei Jesu am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ steht in dieser Tradition. Er markiere nicht die Grenze der Liebe Gottes zum Leben, so Hofer, sondern zeuge von der radikalen Identifizierung Gottes mit dem, der nichts (mehr) zu lachen hat. Da, wo der Mensch das Leid nicht mehr tragen kann, darf er sich von Gott getragen wissen und sich darauf verlassen, dass Gott das Leid mit ihm aushält. 

 

Wenn es ein Buch der Bibel gibt, das sich mit Spiritualität im Alltag beschäftigt, dann sei das Kohelet, schreibt Hofer. Kohelet frage, worauf es im Leben ankomme – und gebe überraschend aktuelle Antworten, die das Leben als Vorgeschmack des Jenseits auffassen. „Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein“, heißt es dort (9, 7-8), „denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel. Trag jederzeit frische Kleider ...“. Hofers kurze Tour durch die Schrift des Kohelet zeigt, dass es dort viel zu entdecken gibt.


Markus Hofer zeigt in seinem Buch, dass Gott durch seinen Segen in unserem Alltag gegenwärtig ist – in Freud und Leid. Das zu entdecken und zu genießen, ist Lebenskunst, in die er auf humorvolle Weise einführt.

 

(Borromäusverein)

 

(Als „Religiöses Buch des Monats" benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)