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Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2015

"Annas Himmel" von Stian Hole (Autor) 

 

Zum 26. Mal hat die Deutsche Bischofskonferenz den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen. Bei einem Festakt in Osnabrück wurde der norwegische Autor und Illustrator Stian Hole für sein Werk „Annas Himmel“ ausgezeichnet. In dem Buch erzählt er mit farbintensiven Bildern tröstliche und hoffnungsvolle Gedanken zum himmlischen Jenseits, indem er das Mädchen Anna nach dem Tod seiner Mutter gedanklich durch den Himmel reisen lässt, wo sich die menschliche Sehnsucht nach endgültigem Glück erfüllt. Dabei erörtert Hole religiöse Vorstellungen von Tod und Jenseits auf eine künstlerisch komplexe und dennoch für Kinder zugängliche Weise. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 230 Titeln ausgewählt, die von 69 Verlagen eingereicht wurden.

 

 

Annas HimmelZum Buch (Auszug aus der Jurybegründung):

Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten und endgültigen Glücks. Die christliche Glaubenslehre hält mit diesen Worten fest, wofür die Bibel unterschiedliche Bilder findet. Wie aber lassen sich Kindern solche Bilder erklären?

Der norwegische Bilderbuchkünstler Stian Hole nutzt dafür farbintensive Illustrationen, in denen er Symbole aus Pflanzen-, Tier- und menschlicher Alltagswelt zu neuen, paradiesisch anmutenden Szenarien zusammensetzt. Wenn er vom Tod erzählt, endet er nicht beim kindlichen Trauerprozess, sondern webt in den Moment des Abschiedes eine kindliche Vorstellung vom Himmel. Dabei werden komplexe theologische Fragen auf einer künstlerisch durchaus ebenfalls komplexen, aber dennoch zugänglichen Verständnisebene angesprochen.

Erzählt wird von Anna und ihrem Vater – und von einem Moment, vor dem es beiden graut. Auch wenn die Kirchenglocken läuten und der Vater im schwarzen Anzug bereitsteht, wird vorerst nicht ausgesprochen, wo die Unruhe der beiden herrührt. In den Illustrationen jedoch verweisen zahlreiche Details auf eine Bruchstelle im Leben der beiden: Zerschlagene Tassen, zerrissene Perlenketten, vereinzelt zurückgebliebene Schuhe, ein angebissener Apfel, neue Kleider, die „leblos“ auf einem Bügel hängen. Und während der Vater sich noch trauernd abwendet, ist Anna elektrisiert von der Idee, sich den Himmel vorzustellen – und ihn damit auf die Erde zu holen. „Wie kann Gott uns nur alle im Auge behalten?“ fragt Anna sich vor dem Hintergrund der Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr da ist. Bildlich entfaltet sich an dieser Stelle in tiefblauer Farbe ein Pfauenrad, dessen „Augen“ zeigen, dass sich Gottes Auge nicht lokalisieren lässt, sondern alle Menschen in ihm geborgen sind.

Ohne sie zu vereinnahmen werden mit spielerischer Lust konkrete Jenseitsbilder angeboten, die an keiner Stelle vordergründig erscheinen. Himmelsvorstellungen werden dabei an Paradiesvorstellungen rückgebunden, wenn die Mutter zum Beispiel im Garten Gottes aushilft. Mit diesem Paradies jedoch könnte auch eine Bibliothek gemeint sein, denn: „Auch Gott braucht ein Lexikon, in dem er ab und zu nachschlagen kann.“

Am intensivsten jedoch wird sicht- und spürbar, dass in der Vorstellung des Himmlischen eine endgültige Gemeinschaft jenseits von Zeit verwirklicht wird. Das Wunderlichste am Himmel, so hält der Philosoph Voltaire fest, wird es sein, Menschen zu treffen, die wir dort nicht erwartet hätten. Als Meer der Unsichtbaren, die unvermittelt sichtbar werden, bringt Stian Hole diese philosophische Überlegung bildlich ein und lässt diese Vorstellung in einen Kaffeetisch übergehen, an dem „der Opa, der immer mit dem Stuhl wippt“, Buster Keaton und der Großvater von Garman gemeinsam mit Annas Mutter „zu Besuch“ sind.

Dieses Bild des himmlischen Mahls zeigt, wie sensibel und doch eindrucksvoll Bilder und feste Vorstellungen in der Schwebe gehalten werden – und gerade damit ihre tröstliche Wirkung entfalten. Denn Anna bleibt nicht Objekt ihrer Trauer, sondern wird aktiv und zeigt, wie ein Stück jenes Himmels, in dem ihre Mutter nun ist, auch auf Erden sicht- und spürbar wird. Mit einer Fülle an bildlichen Schau-Erlebnissen lässt sich so nicht nur das kindliche Symbolverständnis schulen, sondern auch die Frage danach stellen, was unter einem Zustand höchsten, endgültigen Glücks gemeint sein kann.


Zum Autor:

 

Stian Hole wurde 1969 in Hokksund im Osten Norwegens geboren und lebt heute mit seiner Familie in Oslo. Er absolvierte ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Staatlichen Kunstgewerbe-Schule in Oslo. Mit Kollegen gründete er eine Agentur, die auf Buchgestaltung und Typografie spezialisiert ist. International bekannt wurde Hole durch das 2009 erschiene Werk „Garmans Sommer“, das von Vergänglichkeit, Abschied und Angst vor dem unbekannten Neuen handelt und für das er unter anderem mit dem Brage-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, dem Bologna Ragazzi Award sowie dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnet wurde. Stian Hole zählt zu den gefragtesten Illustratoren und innovativsten Bilderbuchkünstlern Skandinaviens.

 

 


 

Mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis werden Werke ausgezeichnet, die beispielhaft und altersgemäß christliche Lebenshaltungen verdeutlichen, religiöse Erfahrungen vermitteln und Glaubenswissen erschließen. Dabei muss die transzendente Dimension erkennbar sein. Nach einstimmigem Urteil der Jury erfüllt Claude K. Dubois Buch „Akim rennt“ diese Kriterien in besonders überzeugender Weise. 

 

Ab 6 Jahre.

 

 

Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt ihren Kinder- und Jugendbuchpreis seit 1977. Prämiert werden Publikationen, die Glaubenswissen und christliche Grundhaltungen vermitteln. Die anfangs zweijährliche, seit 1999 jährliche Preisvergabe findet jeweils in einem der deutschen Bistümer statt. Zur Auszeichnung gehört auch eine Bronzestatuette mit dem Titel "Die Lesende". Die Jury empfahl neben Steinhöfels Buch weitere 14 Veröffentlichungen für Kinder und Jugendliche. Die Liste ist über die Internetseite der Bischofskonferenz erhältlich. 

 

 

Die Ausschreibungsunterlagen des Kinder- und Jugendbuchpreises 2016 können Sie sich hier demnächst als Download auf Ihren Computer laden.

 

 

 

 

Hinweis:

Stian Hole, Annas Himmel, Carl Hanser Verlag,
ISBN 978-3446245327, 14,90 Euro.