Religiöses Buch des Monats Dezember 2025

Clemens Sedmak, Wie leben? Von Jesus lernen, Tyrolia, Innsbruck 2025, ISBN 978-3-7022-4297-8, 199 Seiten, 20,00 €

 

Lebensratgeber gehören auf dem Buchmarkt zu den Top- und Longsellern. Das ist einerseits wenig erstaunlich, ist doch die Frage, wie man sein Leben führen soll, ebenso schwer zu beantworten wie unausweichlich, andererseits ist es doch auch etwas verwunderlich, Wie leben?dass sich so viele Autoren berufen fühlen, anderen Menschen kluge Ratschläge für ein gutes Leben geben zu können.

Umso überzeugender wirkt der Ansatz, den der österreichische Theologe und Philosoph Clemens Sedmak wählt, der seinem neuen Buch „Wie leben?“ den Untertitel gibt: „Von Jesus lernen“. Christinnen und Christen jedenfalls glauben, dass in Jesus von Nazareth Gott selbst Mensch geworden ist – von wem könnte man dann besser lernen, was ein gutes menschliches Leben ausmacht, als von Jesus?

In diesem Sinn versteht sich Sedmaks Buch tatsächlich als eine Art Lebensratgeber, als „eine Einladung, das Leben Jesu ernsthaft anzuschauen in der Absicht, für das eigene gute Leben zu lernen“. Freilich räumt der Autor gleich zu Beginn ein, dass Jesus ein sehr besonderes Leben geführt hat, dass er vor 2000 Jahren unter für uns heute eher fremden Umständen gelebt hat, und dass sein Leben vor allem auch ein schweres Leben gewesen ist.

Nicht einfach nur Nachahmung

„Jesu Leben schenkt dennoch Anhaltspunkte für tiefes Leben, das wir uns auf je persönliche Weise zu eigen machen können“, ist Clemens Sedmak überzeugt. Die Nachfolge, zu der Jesus seine Jüngerinnen und Jünger selbst aufgerufen hat, bedeutet auch nicht einfach Nachahmung, vielmehr Übertragung der Botschaft des Evangeliums in je unsere Zeit und Lebensumstände. Allerdings muss man eingestehen: Im Unterschied zu herkömmlichen Ratgeberbüchern für ein „gutes Leben“ zeigt Jesu Leben nicht, wie man möglichst leicht durchs Leben kommt oder wie man besonders viel aus dem eigenen Leben herausholen kann. Jesus führte ein Leben, das ausschließlich den Willen Gottes verwirklichen wollte, und das ist ohne Zweifel ein sehr anspruchsvolles Leben, aber es lässt eben auch erkennen, was am Ende ein gelingendes Leben ausmacht.

Jesu besonderes Verhältnis zur Zeit

Clemens Sedmak betrachtet in 40 Abschnitten das Leben Jesu, wie es in den vier Evangelien geschildert wird, und nimmt diese Schriftstellen aus verschiedenen Perspektiven in den Blick – oft mit neuen, überraschenden Akzentuierungen. Vier Kapitel mit je zehn Betrachtungen orientieren sich dabei am Grundgerüst von vier Fragen, zunächst: „Wie lebt Jesus sein Leben?“ Dabei fällt dem Autor beispielsweise auf, dass Jesus ein besonderes Verhältnis zur Zeit hat: Jesus hält einerseits nicht starr an seinen Plänen fest, nimmt sich spontan Zeit, wo es ihm wichtig ist; auf der anderen Seite denkt er aber gerade nicht, über die Zeit frei verfügen zu können – voll Demut und Geduld wartet er vielmehr in den entscheidenden Fragen auf die rechte Zeit, bis „seine Stunde gekommen“ ist.

Nicht "Erfolg" oder Gelingen in der Welt

Im zweiten Kapitel „Wie sieht Jesus die Welt?“ zeigen viele Schriftstellen dasselbe: ganz vom Willen Gottes her. Der Wille Gottes darf aber nicht vorschnell mit Erfolg oder Gelingen in der Welt verwechselt werden; auch wenn man Gottes Macht alles zutraut, zeigt gerade das Leben Jesu, dass man oft Leid auf sich nehmen und auf das Eingreifen Gottes verzichten muss, um dessen Willen zu ehren – und nicht den eigenen. Das dritte Kapitel steht unter der Überschrift „Welche Fragen stellt Jesus?“, das vierte Kapitel stellt schließlich die Frage: „Wozu fordert Jesus auf?“ Einerseits immer wieder: „Kehrt um!“ Aber ebenso häufig auch: „Fürchtet euch nicht!“ Und beim letzten Abendmahl gibt Jesus dann tatsächlich ein „neues Gebot“, das anders ist als alle bisherigen, weil es von einer Person allein gar nicht erfüllt werden kann und insofern eine ganz neue Art von Gemeinschaft stiftet: „Liebt einander!“

Jede der 40 interessanten Betrachtungen endet mit einer Frage an den Lesenden, als Impuls das eigene Leben zu überdenken und neu auf Gott hin auszurichten. So wird der Band zu einer äußerst anregenden geistlichen Lektüre, welcher der lebenspraktische Bezug schon von der Grundidee her eingeschrieben ist.

 

(Borromäusverein)

 

 

Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.

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