Religiöses Buch des Monats Juni 2026
Judith Vonderau, Eltern beten mit und für ihre Kinder, Camino, Stuttgart 2026, ISBN 978-3-96157-218-2, 144 Seiten, 20,00 €
Beten ist in unserem von naturwissenschaftlichem Denken bestimmten Umfeld keine ganz einfache Sache. Was, wenn es doch nicht mehr als ein veredeltes Selbstgespräch ist?
Die Theologin Judith Vonderau stellt deshalb das kindliche Urvertrauen, im Gebet Eltern beten mit und für ihre Kindermit Gott in Kontakt treten zu können, in den Mittelpunkt ihres Buchs. „Kind sein, werden und bleiben vor Gott“, bezeichnet sie als „eine Haltung für das ganze Leben“. Statt sich lange mit Erklärungen aufzuhalten, fasst sie diese Grundhaltung in Gebete: „Vor dir darf ich werden, was Jesus meinte, / als er sagte: ‚wie die Kinder‘, / um den Himmel zu erben. / Kind sein, ich sein, vor dir.“
Für den ersten Teil hat sie Gebete geschrieben, die Erwachsene für Kinder – eigene oder Enkel oder in welchem Verhältnis auch immer – sprechen können. Viele der Gebete sind für Situationen gedacht, in denen das Leben gut ist. Da im Leben aber nicht alles glatt läuft, widmet sich ein eigenes Kapitel den Brüchen. Manchmal, schreibt die Autorin, werde am Ende doch Gutes daraus. Doch kommt es eben auch vor, dass ein solcher Strich durch die Lebensplanung zum Kreuz werde. „Hier kommt uns das ‚Dein Wille geschehe‘ aus dem Vater unser vielleicht nicht mehr über die Lippen.“ Dann, so die Autorin, dürfe man darauf vertrauen, dass gilt, was Gott Josua, dem Nachfolger von Mose, zugesagt hat: Der „Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist“ (Josua 1,9). Und weil das in so einer Situation vielleicht nicht ganz einfach ist, fasst sie diese Zusage noch mal in ein hoffnungsvolles Gebet: „du bleibst / wenn nichts mehr steht und alles fällt / wenn die Welt nicht mehr in den Angeln hängt / wenn unter meinen Füßen kein Boden mehr ist / wenn mich sonst keiner hält / du bleibst“.
Der zweite Teil des Buches ist Kindern gewidmet und enthält zuerst eine kurze, kindgerechte Einführung ins Gebet, von der Erwachsene und Kinder gleichermaßen profitieren können. Sie vermittelt: Gott kann ich alles sagen – immer. Und zum Beten muss man auch nicht stillsitzen. Daran schließen sich Gebete an zu verschiedenen Anlässen (für den Morgen und den Abend, Dankgebete, Tischgebete, zur Versöhnung, bei Krankheit und Sorgen), die Kinder gemeinsam mit Eltern (oder anderen Erwachsenen) beten können, ältere Kinder vielleicht auch allein. Wohltuend ist hier wie im ganzen Buch, dass auch die Schwierigkeiten, in die die Gottesbeziehung geraten kann, nicht ausgespart werden: „Es fühlt sich dann so an, als wärst du gar nicht da. / Lass mich immer daran denken, dass du bei mir bist, auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.“
Außer den Gebeten, die Vonderau für die Lebenswelt von Erwachsenen und Kindern formuliert hat, stellt sie auch die wichtigsten Gebete der Kirche vor, allen voran das „Vater unser“, außerdem u.a. das Glaubensbekenntnis, Psalm 23 und das „Gegrüßet seist du Maria“. Dieses Gebetbuch kann dazu beitragen, Kinder in eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott hineinwachsen zu lassen und sei deshalb Familien ans Herz gelegt, z. B. als Geschenk zur Taufe oder zur Erstkommunion.
(Borromäusverein)
Das „Religiöse Buch des Monats“ wird seit dem Jahr 2000 von den beiden katholischen Büchereiverbänden in Deutschland, dem Sankt Michaelsbund (für Bayern) und dem Borromäusverein (außerhalb Bayerns) ausgewählt. Das Anliegen der Auszeichnung ist es, Bücher zum Thema Religion und Glauben in ihrer Bandbreite bekannter zu machen. Dazu wählen die Lektorate monatlich ein Buch aus, das aus Sicht des christlichen Glaubens ein grundlegendes Thema aufgreift wie Orientierung und Sinn im Leben, Gemeinschaft, gesellschaftliche Verantwortung. Diese Bücher geben Rat in verschiedenen Lebenssituationen, greifen Lebensschicksale auf, regen an, das Leben und den Jahreskreis bewusst zu gestalten oder tragen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten bei. Die Bücher erreichen so Menschen, die sich Fragen der Gesellschaft und den eigenen biografischen Herausforderungen bewusst stellen wollen und diese Fragen im Licht des religiösen Glaubens reflektieren und vertiefen.
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